In vielen Stadtteilen gab es damals jene anheimelnd eingerichteten kleinen Speise- und
Trinklokale der Firma August Albert Winkler, die sich durch Güte und kleine Preise auszeichneten. Und in Universitätsnähe, an der
Ecke Burg- und Theaterstraße, war jenes Wein- und Bierlokal, das besonders gern von Studenten und Altakademikern aufgesucht wurde. Der dienstbare Geist dort war der
Kellner mit dem Vornamen Hermann. Er war ein
uneigennütziger und hilfsbereiter, ein väterlicher Freund der Studenten. Jeder Fuchs fühlte sich geehrt, wenn bei seinem ersten Besuch Hermann sich mit seinem Unterschriftsbuch näherte und der junge Studiker würdebewußt seinen Namen eintrug. Er schätzte die Ehre, sich eintragen zu können, und zwar mit Studienfach und vor allem mit seinem Zirkel. Und unter Glas und Rahmen hatte Hermann überdies an der Wand eine Zeichnung mit allen Wappen und Zirkeln der Königsberger Verbindungen und ihrer Farben aufgehängt. Hermann zeigte auch gern seine Sammlung studentischer Erinnerungsstücke und viele Bierseidel mit Wappen und Wahlspruch. So manche waren nicht eingelöste Pfandstücke ...
Der kleinwüchsige, etwas bucklige Hermann fiel durch seinen ausgeprägten Kopf auf. Seine Augen strahlten Wärme. Er war herzensgut, ehrlich und treu von Gemüt und Charakter. Und so war auch die Schleifenaufschrift von ihm gemeint und jeder wußte es, der ihn kannte.
Daß man die allgemein bekannten ostpreußischen Getränke wie den Pillkaller Nikolaschka, Knickebein und Bärenfang bekam, versteht sich. Die lokalspeziellen schärferen Sachen aber waren diese: Da gab es den gängigsten Schnaps, den Tulas der 20 Pfennige kostete, natürlich einschließlich Steuer und Transport. Dazu konnte man sich die kostenlose Tulas-Postkarte kommen lassen. Billiger waren mit 15 Pfennigen einschließlich der Sonnenschein und Sturm mit Luft. An der Spitze mit 25 Pfennigen rangierten Schneegestöber, Feuerschlange, Strucks, Mokka-Ei, Negus-Negesti und Pschismokatzky. Dazwischen lagen auf Tulas-Ebene die oft verlangten Kükos, Abendsonne, Blutgeschwür und der große Winkler-Schlager: Elefantendups mit Setzei! Dieser aber sah so aus: Zwei Drittel Kirschlikör, ganz langsam darüber Eierlikör gegeben, so daß sich beides nicht vermischte. Obenauf wurden zwei ganze Kaffeebohnen gelegt!
Im Gedenken an Hermann von Winkler - Prost!“ (Hans Lippold)
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